Jahresabschlüsse - Was verbirgt sich dahinter?

Ein Thema wird im Wahlkampf eine große Rolle spielen – die Jahresabschlüsse 2008 bis 2015. Woher kommt dieses Problem? Bis 2008 wurde in der Stadt Bergen das sogenannte kameralistische Rechnungswesen verwendet, seit 2008 die sogenannte Doppik, abgeleitet aus der kaufmännischen doppelten Buchführung. Stichtag für die Jahresabschlüsse ist in beiden Fällen der 31.12. des jeweiligen Haushaltsjahres. Sinnvoll wäre gewesen, die Kameralistik mit dem 31.12.2008 zu beenden und am 01.01.2009 mit der Doppik zu beginnen. Tatsächlich fand der Wechsel aber mitten im Haushaltsjahr statt mit der Folge, dass keine Eröffnungsbilanz aufgestellt wurde. Damit fehlt eine festgestellte Basis für alle Folgejahre. Kaufleute wissen, was das bedeutet. Dieses Manko wurde in den Folgejahren durch den damaligen Kämmerer nicht beseitigt, es wurde sozusagen jahrelang drauflos gebucht. Da weder Schulungen für die doppische Haushaltsführungen für erforderlich gehalten noch Jahresabschlüsse beim Rechnungsprüfungsamt eingereicht wurden, entstand die unübersichtliche Situation, die wir nun vorliegen haben. Darum muss ich mich seit meinem Eintritt am 01.05.2013 kümmern. Das bedeutet zunächst die nachträgliche Aufstellung einer Eröffnungsbilanz. Alles musste hierfür rückwärts korrigiert werden, einschließlich der notwendigen Buchungskorrekturen. Manches lässt sich indes nicht mehr korrigieren. Mittlerweile liegen die genehmigten Jahresabschlüsse für 2008 bis 2011 vor. Die Jahresabschlüsse 2012 bis 2015 sind beim Rechnungsprüfungsamt Celle eingereicht. Hier läuft die Abstimmung noch.
 
Wer trägt die Verantwortung für die noch immer nicht vorliegenden genehmigten Jahresabschlüsse? Anders gefragt: Geben sie Ihrem Mechaniker die Schuld, wenn Sie Ihr Auto an den Baum gefahren haben? Würden Sie nicht mit Schwierigkeiten rechnen, wenn Sie verlangen, das Auto müsse während der Fahrt repariert werden? Tatsache ist, dass Teile der Politik vor dem Hintergrund der anstehenden Wahl versuchen, diese Verantwortung beim Kämmerer und Mechaniker und seiner Mannschaft abzuladen. Tatsache ist aber auch, dass die Fraktionen im Stadtrat zu lange den Aussagen des ehemaligen Kämmerers geglaubt haben, es sein alles im Griff und in Ordnung. Sie haben so - wenn auch gutgläubig - diesen Unfall mitverschuldet. Anstatt heute zu kritisieren, dass die geprüften Jahresabschlüsse noch nicht vorliegen, sollten diejenigen, die hier am lautesten kritisieren, diese Mitverantwortung einräumen. In jedem Jahr wurden dem RPA Celle drei Jahresabschlüsse zur Prüfung vorgelegt. Das ist die dreifache Soll-Leistung. Unter den gegebenen Umständen sogar noch mehr, wenn man den ganzen Aufwand zur Buchungskorrektur berücksichtigt. In der Sachdarstellung des Ratsbeschlusses vom 26.05.2016 zum Jahresabschluss 2008 heißt es dazu: „Mit der Durchführung und Umsetzung der Maßnahmen wird der Erste Stadtrat und Kämmerer Frank Juchert beauftragt. Das Personal der Stadtverwaltung leistet die für die Erledigung der Arbeiten erforderliche Mehrarbeit.“ Alle Absprachen und Terminzusagen mit dem Landkreis Celle wurden bislang eingehalten. Die Aufarbeitung wird im Lauf dieses Jahres abgeschlossen. Das sollte bei aller Fairness kein Anlass zur Kritik, sondern zur Anerkennung der Leistung der Mitarbeiter sein.

Inhaltsverzeichnis
Nach oben